Die Grenzen unserer Wahrnehmung – sind die Grenzen unseres Tuns.

mal-soIn diesem Artikel beleuchte ich unsere Grenzen der Wahrnehmung im Mikro- wie im Makrobereich. Ich zeige auf, dass wir Menschen irgendwo zwischen dem unvorstellbar Kleinen und dem unvorstellbar Großen leben. Unsere tägliche Sichtweise auf diese Welt ist begrenzt durch unsere fünf Sinne. Wir erfassen nur die Welt, die wir sehen oder erforscht haben. Doch diese Welt ist nur eine, die existiert. Um uns herum existiert wesentlich mehr, als wir wahrnehmen. Und wir können uns so die Frage stellen, ob wir wirklich die Welt im Griff haben und alles steuern können. Oder ob es nicht leichter ist, von vielem los zu lassen.

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Wir Menschen (irr)glauben, die Welt zu kennen und sie erklären zu können. In den vergangenen Jahrhunderten haben wir Faszinierendes entschlüsselt und unglaubliche Rätsel gelöst. Das gesammelte Wissen erklärt uns viel, jedoch nicht die Welt. Das Wissen erklärt uns das, was wir von der Welt entdeckt haben, nicht mehr. Das Genie des 20. Jahrhunderts, Albert Einstein meinte: „Es ist absolut möglich, dass jenseits der Wahrnehmung unserer Sinne ungeahnte Welten verborgen sind.“
Wir sehen, erfassen, fühlen das tägliche Umunsherum mit unseren fünf Sinnen und bewegen uns in dieser wahrgenommenen Welt. Tagein, tagaus. Dieses Wahrgenommene ist die Basis, von der aus wir die Welt anschauen, sie bewerten, beurteilen. Es wird zur Basis unserer Meinungsbildung, aus der heraus wir Werte ableiten, Schlussfolgerungen und Ableitungen ziehen. Aus diesem Werten wie Bewertungen leiten wir Handlungsmotive ab. Und, wir glauben damit im Recht zu sein, weil wir Menschen die Dinge im Griff haben, die Geschicke lenken und sogar den Lauf der Dinge bestimmen können.
Schon kleine Abweichungen von unseren täglichen Wahrnehmungen werden so lange verbogen, bis sie passend sind. Andere Wahrnehmungen als die unseren verursachen ein mulmiges Gefühl im Bauch, machen nervös, unsicher. Das soll nicht sein. Also wird negiert, nach logischen Erklärungen gesucht, bis das Weltbild wieder stimmt und es uns besser geht.
Dabei reicht es schon aus, den Blickwinkel zu verschieben. Etwa aus der Höhe von 1,80 auf einen Meter tiefer, der Augenhöhe eines zweijährigen Kindes. Probieren sie es aus und sie werden erstaunt sein, wie sie die Welt plötzlich sehen. Und, sofern sie Eltern sind, sich daran erinnern, wie schnell wir die Wahrnehmung des Kindes abgetan haben. Trotz des Wissens um den Spruch des Volksmundes: Kinder sagen die Wahrheit.
Oder wechseln wir die Perspektive ins Gegenteil und fliegen wie die Taube auf das Dach der Kirche. Die Betrachtung von oben eröffnet uns erneut einen ganz anderen Blick auf die Welt als noch eben. Und was passiert erst, wenn wir die Extreme noch weiter verschieben?
Der Weg in die Mikrowelt
Der holländische Brillenschleifer Hans Janssen soll es gewesen sein, der 1595 das erste Mikroskop erfand. Das Vergrößern führte den Menschen in eine nicht gekannte Wunderwelt. Die Linsen wurden besser, die Auflösungen immer größer. Elektronenmikroskope ließen zum Beispiel die Krallen einer Blattlaus erkennbar werden und die Welt wurde für den Menschen wieder ein Stück verständlicher, erklärbarer. Atomkraftmikroskope brachten uns in das Reich der Moleküle und stürzten die jahrzehntelang gehaltene Auffassung vom kleinsten Teil der Materie, dem Atom. Die Bestandteile des Atoms, Kern und Hülle, sollten die Erklärung für alles Funktionieren dieser Erde liefern. Doch dann entdeckte die Wissenschaft, dass es noch kleiner geht.
Superstrings sind heute das Minimalistische, was es gibt (geben soll). Unvorstellbar winzige Fäden, die hin und her schwingen. Sie sind kleine Energieströme, die die Basis unseres Lebens sind (sein sollen). Die Mathematik, die uns Menschen zur Verfügung steht reicht nicht aus, um die Komplexität dieses Mikrokosmos zu beschreiben. Die klügsten Köpfe dieser Welt beißen sich momentan an den Strings die Zähne aus und meinen, dass nur mit Hilfe einer neuen Mathematik Strings erklärbar gemacht werden können. Strings, das sind Größenordnungen von wenigen milliardstel billionstel billionstel Metern. Oder im Vergleich: Das Verhältnis von Atom zu String ist in etwa wie das Verhältnis unseres Sonnensystems zur Größe eines Atoms. Kommen sie noch mit?
Der Stringtheorie zufolge muss unser Universum aus zehn oder gar elf Dimensionen bestehen. Das sind mehr als doppelt so viele wie die vier, die uns im Alltag begegnen: Länge, Breite, Tiefe, Zeit. Stringtheoretiker gehen daher davon aus, dass diese Extradimensionen zu Gebilden aufgerollt sind, die so winzig sind, dass wir sie schlichtweg übersehen. Wenn Strings musizieren, erzeugen sie eine Symphonie, die wir Universum nennen. (Quelle: www.physik.uzh.ch)
Vollkommen unvorstellbar, wie klein Strings sein sollen. Interessant finde ich hingegen die Aussage, dass Strings schwingen, musizieren und eine Symphonie erzeugen. Es erinnert mich sofort an: Ich kann es Dir nicht erklären. Es schwingt irgendwie nicht. Oder. Eigentlich geht es gar nicht, aber die Schwingungen stimmen. Fehlende Erklärbarkeit trifft hier auf auf Wahrnehmungen.
Ausflug in die Makrowelt
So unvorstellbar wie die Dimension eines Strings bleibt es, wenn wir die Augen in den Nachthimmel richten. Wir gehen in den Wald und erfreuen uns an den Bäumen, also immer nach und nach. Denn erst aus dem Hubschrauber können wir den Wald als Ganzes erfassen, wird er zum grünen Teppich. Mit dem Blick aus der Höhe der Erdumlaufbahn werden Wälder zu einem Geflecht, sehen wir, wie Bäume unterhalb der Erde miteinander verbunden sind (Was, Bäume sind miteinander verbunden? Sie sollen Informationen speichern? Und, wenn wir sie fällen wie im Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, stirbt Wissen? Quatsch, unvorstellbar…).
Fliegen wir noch weiter, erscheint die Erde als kleiner blauer Ball im All, der hilflos wie verletzbar wirkt. Die Erde, ein Planet in unserem Sonnensystem.
Wir stöhnen schon, wenn wir stundenlang im Flugzeug sitzen, um irgendwann in Tokyo oder New York zu landen. Die Strecke von Berlin nach München können wir uns noch halbwegs vorstellen. Bis nach Tokyo, naja, ist es schon ganz schön weit. Aber die Größe eines Sonnensystems. Können wir die erfassen? Eigentlich ist es doch ganz einfach. Das Licht benötigt von der Sonne bis zur Erde nur etwa acht Lichtminuten. Das sind umgerechnet etwa 17,98 Millionen Kilometer pro Minute, die die Strahlung, in besagter Lichtgeschwindigkeit, zurück legt. Das alles nur mal acht und schon scheint im Garten die Sonne.
Wenn die Sonne nicht scheint und wir den Sternenhimmel sehen glauben wir, zumindest, Sterne zu sehen. Denn manches, was das scheint, gibt es gar nicht mehr. Oft sehen wir nur noch das Licht eines Sterns, welches im Universum als Strahl steht. Trifft das Licht bei uns ein, ist der Stern bereits erloschen. Das Licht hat dann mal einen Weg von mehreren millionen Lichtjahren hinter sich. In vorstellbaren Zahlen bedeutet dies: Ein Lichtjahr, also die Strecke die das Licht in einem Jahr zurück legt, sind ungefähr 9,5 Billiarden Meter. Das mit ein paar Millionen an Jahren multipliziert und schon wissen wir, wie weit der Stern einmal von der Erde entfernt war. Alles klar?
Noch nicht ganz, denn es geht noch weiter. Denn von diesem Sonnensystem, in dem wir leben, gibt es mehrere. Nämlich so cirka ein paar Milliarden, was in Summe dann die Galaxie ist. Das alles wissen wir dank des Hubble-Mikroskops. Und wer jetzt noch mithalten kann, dem wird sicher auch die nächste Stufe der Wahrnehmung nicht schwer fallen. Denn wiederum Milliarden von Galaxien werden zu Klastern zusammen gefasst. Auf Zahlen möchte ich jetzt verzichten, denn bei mir sind schon die Lichter aus. Erst recht wenn wir bedenken, dass Superklaster den Kosmos, das Universum bilden. Das Universum, in dem wir leben. Keiner weiß heute, wie viel Universen es davon gibt.
Was haben wir wirklich im Griff?
Vom String bis zum Universum liegen Dimensionen, die wir einfach nicht mehr erfassen können. Weder mit unserer Wahrnehmung, noch mit der uns zur Verfügung stehenden Mathematik.
Johannes Keppler hat zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Umlaufbahn der Planeten erstmals berechnet. Am Ende bildeten seine Ergebnisse nur Näherungswerte. Keppler selbst begründete es damit, dass es wohl noch einen geben müsse. Kepplers Vermutungen nach einem weiteren Planeten entpuppten sich später als der Asteroidengürtel. Asteroide haben eine Größe von einem Ziegelstein bis etwa einer halben Mondgröße. Die wirkenden Kräfte aus dem Universum auf jeden einzelnen Asteroiden zu erfassen und für jeden einzelnen Asteroiden daraufhin die weitere Bahn zu berechnen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir treffen auf Datenmengen und Wahrscheinlichkeiten, die nicht mehr erfassbar sind. Doch jede Änderung einer Kraft hat Auswirkungen auf alles, auch auf uns Menschen.
Diese Nichterfassbarkeit von Möglichkeiten und logisch auch die Errechnung, Vorhersage von Ereignissen werden als Chaostheorie oder auch Schmetterlingseffekt bezeichnet. Es besagt, dass kleine Änderungen der Ausgangslage im weiteren Verlauf nicht definierbare Ergebnisse hervor rufen. Selbst im verhältnismäßig nahen Asteroidengürtel sind die Auswirkungen auf unser Leben nicht überschaubar (darum hat z.B. der Wetterbereicht mal wieder gesponnen). Was passiert erst alles pro Sekunde im Universum? Sicher, nicht alles spüren wir sofort, weil die Größe des Universums eine für uns Menschen verhältnismäßige Schwerfälligkeit besitzt. Ob nun jedoch irgendwelche Entstehung von Sternen, Zusammenprall von Asteroiden von den Strings wahrgenommen werden? Wer weiß das schon?!
Vom String bis zum Universum verdeutlichen uns die Grenzen des Erfassbaren. Der Standpunkt, wir Menschen könnten alles beherrschen und das Leben im Griff haben, wird angesichts der Blicke durch ein Mikroskop in die eine wie in die andere Richtung ad absurdum geführt. Wir führen auf dieser Erde ein Leben zwischen dem unvorstellbarem Kleinen und dem unvorstellbarem Großen. Die Welt, die wir sehen, ist nur eine, die existiert. Es existiert weit mehr, als wir wahrnehmen können.

Wenn uns die fünf Sinne Riechen, Hören, Tasten, Schmecken und Sehen die Welt nur zum Teil erklären, hilft dann vielleicht in der Erweiterung unserer Wahrnehmung ein weiterer Sinn? Vielleicht das, was wir für den sechsten Sinn halten?

Der griechische Angler
Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören

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