Zuhören (Teil 1)

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„Der Mensch hat, neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören“, fasste es einst Kurt Tucholsky zusammen und sein pointierter Ausspruch hat an Gültigkeit kaum verloren.
Abhängig von Beruf und Persönlichkeit macht das Zuhören zwischen 40 und 70 Prozent der gesamten Kommunikation aus und liegt somit über dem Gebrauch von Schreiben und Lesen. Letztgenanntes lernen wir in der Schule und mit Unterstützung der Eltern. Doch wo haben wir Zuhören gelernt? Erinnern können wir uns sicher an Vorwürfe wie: „Du hast schon wieder nicht zugehört!“ aus der Kindheit und Männer, naja, wohl hin und wieder aus Beziehungen.
Dabei ist das Problem des Nicht-Zuhörens sogar von wirtschaftlicher Tragweite. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Proudfoot im Jahre 2004 sorgen Managementfehler in Deutschland für einen Schaden in Höhe von jährlich 158 Milliarden Euro (das sind fast acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes). Als wichtigste Gründe werden unrealistische Zielsetzungen am Markt vorbei, Ignoranz bei auftretenden Problemen oder Abteilungen genannt, die völlig aneinander vorbei arbeiteten. Unschwer ist eine Verbindung aller drei Punkte zum mangelnden Zuhören zu finden: Das Management hört den Kunden nicht zu (Markt), Führungskräfte hören ihren Mitarbeitern nicht zu (Ignoranz) und Kollegen hören sich gegenseitig nicht zu (Kooperation) (Quelle: Martin Hartung, München).
Die Bedeutung des Zuhörens hat New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg im Januar diesen Jahres erkannt (oder sagen wir angesichts der Glaubwürdigkeit der Worte von Politikern lieber: formuliert). Zu Beginn seiner dritten Amtszeit sprach er angesichts seiner knappen Wiederwahl und erlittener Niederlagen davon, künftig nicht nur mehr Führungsstärke zu zeigen, sondern den Bürgern auch mehr zu zuhören.
Ziemlich schlecht kommt das männliche Geschlecht 1987 in einer Studie „Woman and Love“ der Publizistin Shere Hite weg. Sie befragte 4.500 Frauen, von denen 77 Prozent meinten, ihr Mann höre nicht zu. 85 Prozent sagten, das Beste an ihren Freundschaften mit Frauen sei, offen und ohne Bewertung miteinander sprechen zu können – ein wichtiges Merkmal guten Zuhörens (Quelle: Martin Hartung, München).
In ihrem Welterfolg „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ geben Allan und Barbara Pease dem Thema Zuhören einen überaus gebührenden Platz. Und wahrscheinlich grade deshalb erlangte dieses Buch Weltruhm, was uns schnell darauf schließen lässt, wie schwierig zuhören rund um den Erdball ist.
Bei meiner Recherche nach Beiträgen zum Thema Zuhören, die es nicht wirklich in Fülle gibt, bin ich erstaunlicherweise zumeist auf Inhalte in Zusammenhang mit Wirtschaft gestoßen. So wie beim Artikel in Welt online vom Juni 2008, der in der Überschrift verrät: Wer gut zuhören kann, macht schneller Karriere.
Sehr interessant finde ich die Förderung des bayerischen Kulturfonds. Die südlichste Landesregierung Deutschlands unterstützt Projekte wie „Ganz Ohr sein“, das Konzept „Erzählen und Zuhören an Schulen“ oder „Hörclubs“, von denen es mit der Zeit über 350 an bayerischen Schulen gibt. Mit gleicher Unterstützung ist das „Methodisch-didaktische Lern- und Lehrmaterial zur Förderung der Zuhörfähigkeit – ein Modellprojekt für die bayerische Erwachsenenbildung“ erarbeitet worden.

In einem noch folgenden Beitrag widme ich mich dem Thema Zuhören tiefer und werde beleuchten, worum es beim guten Zuhören geht.
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  • ich bin gespannt auf teil 2, rainer!
    da fällt mir spontan viel ein zu dem thema: passives und aktives zuhören, text und subtext, gewaltfreie kommunikation, auch die zwischentöne hören, zuhören bedeutet nicht verstehen, oder doch? der ton macht die musik, wenn zwei menschen abwechselnd reden, ist das noch lange kein gespräch. und dann noch die abwandlung des bekannten zitates aus dem "kleinen prinzen": man hört nur mit dem herzen gut …
    ich bin gespannt, was du draus machst.
    liebe grüße, judith

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